Die Zahl der Bridgespieler, die in Clubs spielen, stagniert. Viel wird
getan,
um diesen Umstand abzuhelfen. Mehrere Gründe werden
genannt, aber
keine so basierte Aktion hat bisher zum Erfolg geführt.
Unbekannt ist die Anzahl derjenigen, die den Clubs fernbleiben, und
die
Gründe wurden bisher systematisch nicht untersucht. Aus eigener
Erfahrung
wissen viele von uns, wie gross die Hemmschwelle ist, bis man zum ersten
mal in einem Clubturnier mitspielt. Der Autor vertritt nun die Meinung,
dass
für den Neuling die Ausrechnung von Turnierergebnissen undurchsichtig
und dies ein Teil der hohen psychologischen Hemmschwelle ist.
Sehen wir uns einmal die Entwicklung an. Bridge ist ein Spiel, dass
man
mit einem Pack Karten, einem Bleistift, einem Notizzettel und
der Kenntnis
der Regeln im Kopf spielen kann. In der ersten Hälfte des letzten
Jahrhunderts wurden die einzelnen Spiele mit der Form des "Rubbers"
strukturiert und somit war die erste Turnierform gegeben.
Die Entdeckung der Tatsache, dass man den Kartenzufall ausschalten kann,
führte zur Einführung des "Team-of-four" Turniers, war aber
bereits ein
Schritt weg vom Score ( TBR § 77). Wie man IMPs errechnet, muss
jeder
Bridgespieler erst erlernen, obwohl IMP eigentlich "geschrumpfte" Scores
sind, die lediglich auf Addition/ Subtraktion und Division beruhen.
Also etwas, was jeder Mensch in der Grundschule lernt.
Gleichzeitig wurden andere Formen der Bewertung entwickelt (TBR §
78),
von denen jedoch keine den Kartenzufall wirklich ausschaltet. Im
Vordergrund steht die Formel für das "Paartunier", mit dem gedanklichen
Ansatz "besser-gleich-schlechter". Dabei handelt es sich nicht
mehr um
die Grundrechnungsarten, sondern um eine Vergleichsrechnung, die alle
Scores eines Boards einbezieht. Wie das geht, muss ein Bridgespieler
erst erlernen, und nur wenige können das. Beim Betrachten
der Scores
in einem Board kann man durchaus sehen, ob man eben besser, gleich
oder schlechter ist - und dies macht die grosse Attraktion des Paarturniers
aus. Aber das jedes Ergebnis alle anderen MP-Resultate verändert,
ist
nur begreiflich, wenn man ein voll mit MP versehenes Board sieht und
nun ein Score ändert.
Nun sehen die seinerzeit (1928) fixierten Regeln vor, dass man
ein
Turnier rein nach den erzielten Scores bewerten kann. Dies macht man
aber nicht, weil der Kartenzufall im Paarturnier nicht ausgeschaltet
ist.
Im Privatspiel ist es heute aber durchaus üblich, zehn bis zwölf
Boards
von beiden Seiten zu spielen. Dabei wird der Score aufgezeichnet, und
wer die höhere Summe hat, ist Sieger in einem echten Wettkampf.
Die
Bedingungen sind gleich, einen Kartenzufall gibt es nicht.
Von beiden Seiten spielen kann man auch in einem Turnier mit drei oder
mehr Tischen. Der Spitzenspieler wird sofort sagen, dann kenne ich
doch
die Karten. Nehmen wir einmal an, das wäre der Fall, dann muss
er sich
alle gefallenen Karten der ersten Runde merken . Aus dem Gedächtnis
muss er nun ableiten, ob die früher erzielten Kontrakte
die besten waren,
welches Anspiel zu wählen ist, wie die Schnitte sitzen und
wie die
Reizung ablaufen muss, um die optimale Position des Alleinspielers
zu erreichen.
Eine wahrhaft grossartige Gedächtnisleistung, denn jeder Spieler
sieht
jede Karte nur im kurzen Zeitraum, in dem diese zum Stich auf
den
Tisch kommt. Wer sich dies merken kann, gewinnt zu recht.
Jedoch,
die anderen Spitzenspieler können dies auch, und so sind die
Bedingungen gleich.
Die Realität sieht anders aus. Der normale Clubspieler kann
eine
Verteilung erst dann wiedererkennen, wenn der Dummy auf den Tisch
kommt. Und dies auch nur dann, wenn von der gleichen Seite gespielt
wird.. Die wesentlichen Spielbedingungen liegen bereits
vor, und
viele Bilder gleichen sich. Auch das Anspiel muss nicht das Gleiche
wie in der Vorrunde sein. Eine Einflussnahme kann also
nur auf das
Abspiel erfolgen.
Gilt dies auch für die Reizung ? Wohl doch nur, wenn man meint,
aus
deren Ablauf eine bestimmte Verteilung erkennen zu können,
was auch
voraussetzt das die Paare das gleiche Bietsystem verwenden.
Der Normalspieler kann nun sagen, wenn hier vorher drei SA drin waren,
dann sage ich einfach auch 3 SA. Aber vielleicht sind auch
4 Coeur drin.
Mit einiger Erfahrung werden Spieler in der zweiten Runde sich
ganz
normal verhalten und bewusst auf Rückschlüsse verzichten.
Sie können zu bösen Nullern verhelfen.
Ein Turnier nach §78C erfordert neue Laufordnungen, wie sie im
Scorer#1 angeboten werden. Damit kann man ein Board - so wie
im Privatspiel - tatsächlich zweimal spielen, zum Beispiel ist
Board # 1
zugleich Board #17 (doppelte Kennzeichnung) . Wenn man dupliziert,
dann hat der Turnierleiter die Möglichkeit, alle Boards
mit gleichem
Anspiel/ Gefahrenlage für des "zweite" Spiel zu verwenden. Hier
wird
die Praxis Routinen entwickeln.
Mit dem Spiel von beiden Seiten haben wir es theoretisch mit einer
Erhöhung des Schwierigkeitsgrades des Bridgespieles zu tun, eine
Massnahme, die heutzutage häufig für virtuelle Computerspiele
gewählt
wird, um das Spiel attraktiver zu machen. Für den Normalspieler
wird
dieses Spiel nicht schwieriger, sondern übersichtlicher. Er weiss
worum
es geht, nämlich einen möglichst hohen Score zu erzielen.
Diese
Spielart wird - so hoffe ich - das Bridgespiel attraktiver und
berechenbarer machen
Paul Hauff, März 2007
Literatur: Inver-Spiele; BM Nr .10/ Okt 97;
Fun with One table;Bridge Bulletin (USA) 12/99
Alle Recht bei Paul Hauff, Bad Nauheim Juli 2007
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