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SCHULD und SÜHNE im BRIDGESPIEL

ein Beitrag von Paul Hauff, Bad Nauheim

Im Sport möchte man gerne der Sieger sein. Dabei muss es aber gerecht zugehen,
und deshalb werden Messmethoden ständig verbessert. Was früher mit der Stoppuhr
gemessen wurde, wird heute von einer elektronischen Lichtschranke erledigt.

Im Bridge wird der Sieger über die erzielten Scores ermittelt. Wenn alle Scores
ordentlich sind, ist die Siegerermittlung kein Problem, das Erfassungssystem
muss lediglich addieren und vergleichen können.

Leider sind Scores nicht immer in Ordnung, es verschwinden gelegentlich ganze
Boardbegleitzettel und einige Scores werden wegen Regelverletzungen ungültig.
Deshalb sieht das Bridge Grundgesetz (TBR) vor, dass der Turnierdirektor (TD)
Scores als Ersatz „erfinden „ muss. Das ist genauso, als wenn Ihnen eine
Steuerquittung abhanden kommt. Sie müssen einen Ersatzbeleg machen,
damit die Buchhaltung stimmt.

Erfinden ist nicht das richtige Wort, denn es sagt nicht über die Gerechtigkeit aus,
die dem Erfinden zu Grunde liegen muss. Deshalb legen die Turnierbridge-Regeln
die Details fest, wie gerechte Ersatzscores zu bilden sind. Hierzu haben die
Schöpfer der TBR ein vereinfachtes Verfahren erfunden, dass mit einem leicht
begreiflichen Schuldprinzip arbeitet. Es nutzt die Kategorien
„schuldig- teilweise schuldig- unschuldig-,
über die relativ schnell Einigkeit gefunden werden kann. Für jeden dieser
Sachverhalte ist in der TBR eine bestimmte Grösse des Ersatzscores festgeschrieben.

In IMP Paar-Turnieren muss der TL den günstigsten bzw ungünstigsten Ersatzscore
ermitteln. Dazu muss er sich das jeweilige Board ansehen.
( IMPs in Team Spiel werden hier nicht behandelt.)

Für MP Paar Turniere wurde festgelegt, dass der Ersatzscore 40, 50 oder 60%
des Topwertes haben muss, entsprechend den obengenannten Schuldkategorien.

Die Matchpunktrechnung hat aber eine ungewöhnliche Eigenschaften:
zwar kann man aus Scores MP durch Vergleichen errechnen, und diese in Prozent
zu einem Top-Wert setzen. Aber ungekehrt geht dies nicht.
Man kann nicht z.B. 40% des Top in einen Score-Wert umwandeln.
Dies bedeutet, dass der TD keinen Ersatzscore in einer vorbestimmten Höhe
errechnen kann. Er kann aber wie im IMP –Verfahren den ungünstigsten
Ersatzscore ermitteln, der in der MP-Berechnung Null MP ergibt (Null-Ersatzscore),
und dann die 40/50/60 Scores separat vergeben .

Wenn aber die „Erfindung“ eines Ersatzscores unterbleibt und nur die
vorgeschriebenen MP vergeben werden, dann fehlen in dem betroffenen Board Scores.
Die MP Vergleichsrechnung würde für die im Board gezeigten „untadeligen“
Spieler einen zu niedrigen Wert ergeben.

Das Verfahren mit dem Null-Ersatzscore war um 1990, als die ersten
Computerprogramme erstellt wurden, unbekannt. Anstelle dessen wurden die Scores
der „unschuldigen“ Spieler mit einer Formel hochgerechnet. Diese Methode
arbeitet nicht einwandfrei, es werden unkorrekte Werte errechnet, und der Sieger
ist möglicherweise nur Zweiter. Die Formel-Hochrechnung verstösst gegen die
TBR Vorschriften, die die MP-Vergleichsrechnung vorsieht.
Als Hilfsmethode wurde sie aber von den nationalen Organisationen akzeptiert.
(Stand 8/2007)

In dem obigen Text werden bewusst die Fachausdrücke der TBR vermieden,
um den Zusammenhang deutlicher zu machen. Der Ersatzscore wird in
IMP Turnieren als „zugewiesener“ Score bezeichnet (assigned),
im MP Verfahren heisst er “künstlicher“ Score (artificial).

Paul Hauff

2007-07-20                                              zurück nach oben
 

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