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SCHULD und SÜHNE im BRIDGESPIEL
Im Sport möchte man gerne der
Sieger sein. Dabei muss es aber gerecht zugehen,
und deshalb werden Messmethoden
ständig verbessert. Was früher mit der Stoppuhr
gemessen wurde, wird heute von einer
elektronischen Lichtschranke erledigt.
Im Bridge wird der Sieger über
die erzielten Scores ermittelt. Wenn alle Scores
ordentlich sind, ist die Siegerermittlung
kein Problem, das Erfassungssystem
muss lediglich addieren und vergleichen
können.
Leider sind Scores nicht immer in
Ordnung, es verschwinden gelegentlich ganze
Boardbegleitzettel und einige Scores
werden wegen Regelverletzungen ungültig.
Deshalb sieht das Bridge Grundgesetz
(TBR) vor, dass der Turnierdirektor (TD)
Scores als Ersatz „erfinden „ muss.
Das ist genauso, als wenn Ihnen eine
Steuerquittung abhanden kommt. Sie
müssen einen Ersatzbeleg machen,
damit die Buchhaltung stimmt.
Erfinden ist nicht das richtige Wort,
denn es sagt nicht über die Gerechtigkeit aus,
die dem Erfinden zu Grunde liegen
muss. Deshalb legen die Turnierbridge-Regeln
die Details fest, wie gerechte Ersatzscores
zu bilden sind. Hierzu haben die
Schöpfer der TBR ein vereinfachtes
Verfahren erfunden, dass mit einem leicht
begreiflichen Schuldprinzip arbeitet.
Es nutzt die Kategorien
„schuldig- teilweise schuldig- unschuldig-,
über die relativ schnell Einigkeit
gefunden werden kann. Für jeden dieser
Sachverhalte ist in der TBR eine
bestimmte Grösse des Ersatzscores festgeschrieben.
In IMP Paar-Turnieren muss der TL
den günstigsten bzw ungünstigsten Ersatzscore
ermitteln. Dazu muss er sich das
jeweilige Board ansehen.
( IMPs in Team Spiel werden hier
nicht behandelt.)
Für MP Paar Turniere wurde festgelegt,
dass der Ersatzscore 40, 50 oder 60%
des Topwertes haben muss, entsprechend
den obengenannten Schuldkategorien.
Die Matchpunktrechnung hat aber eine
ungewöhnliche Eigenschaften:
zwar kann man aus Scores MP durch
Vergleichen errechnen, und diese in Prozent
zu einem Top-Wert setzen. Aber ungekehrt
geht dies nicht.
Man kann nicht z.B. 40% des Top
in einen Score-Wert umwandeln.
Dies bedeutet, dass der TD keinen
Ersatzscore in einer vorbestimmten Höhe
errechnen kann. Er kann aber wie
im IMP –Verfahren den ungünstigsten
Ersatzscore ermitteln, der in der
MP-Berechnung Null MP ergibt (Null-Ersatzscore),
und dann die 40/50/60 Scores separat
vergeben .
Wenn aber die „Erfindung“ eines Ersatzscores
unterbleibt und nur die
vorgeschriebenen MP vergeben werden,
dann fehlen in dem betroffenen Board Scores.
Die MP Vergleichsrechnung würde
für die im Board gezeigten „untadeligen“
Spieler einen zu niedrigen Wert
ergeben.
Das Verfahren mit dem Null-Ersatzscore
war um 1990, als die ersten
Computerprogramme erstellt wurden,
unbekannt. Anstelle dessen wurden die Scores
der „unschuldigen“ Spieler mit einer
Formel hochgerechnet. Diese Methode
arbeitet nicht einwandfrei, es werden
unkorrekte Werte errechnet, und der Sieger
ist möglicherweise nur Zweiter.
Die Formel-Hochrechnung verstösst gegen die
TBR Vorschriften, die die MP-Vergleichsrechnung
vorsieht.
Als Hilfsmethode wurde sie aber
von den nationalen Organisationen akzeptiert.
(Stand 8/2007)
In dem obigen Text werden bewusst
die Fachausdrücke der TBR vermieden,
um den Zusammenhang deutlicher zu
machen. Der Ersatzscore wird in
IMP Turnieren als „zugewiesener“
Score bezeichnet (assigned),
im MP Verfahren heisst er “künstlicher“
Score (artificial).
Paul Hauff
2007-07-20
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